Ist Multitarn einfach nur Multicam als Flecktarn?

Der ursprünglich für die Spezialkräfte vorbehaltene Tarndruck Multitarn soll nun nach und nach wohl auch für die reguläre Truppe verfügbar sein (Artikel: Hartpunkt.de / Neuer Tarndruck für die Bundeswehr). Daher ist das Tarnmuster in aller Munde und viele beschreiben es quasi als „Multicam in Flecktarn-Musterung“. Aber kann man das so sagen?

Flecktarn und Multitarn

Der umgangssprachlich als Flecktarn bezeichnete Tarn ist der konkreter 5 Farben-Tarndruck der Bundeswehr (zumindest gemäß TL) und wurde 1991 als „Flecktarn B“ in die Bundeswehr eingeführt. Das Muster hat dann mit der Zeit einige kleine Updates bekommen, die auch eine Anpassung der Infrarot-Signatur beinhalteten. Das Muster ist für den europäischen Mischwald gemacht und besteht daher aus Grüntönen, erdigem Braun und dann noch Schwarz, das den Kontrast noch mal zusätzlich erhöht. In der TL 8305-0290 von 2015 definiert die Farben im visuellen sowie in Teilen des IR-Spektrums.

Multitarn hingegen ist deutlich heller und passt daher besser ein trockene Regionen, ins Urbane oder auch in die Landschaft nach anhaltenden Kämpfen, wenn grüne Vegetation einer fernen Erinnerung gleicht. Eingeführt wurde er für die Spezialkräfte der Bundeswehr. Das Kommando Spezialkräfte (KSK) und das Kommando Spezialkräfte der Marine (KSM) haben diese nun schon eine ganze Weile in Nutzung.

Das Flecktarn-Muster im Allgemeinen

Mit dem Begriff „Flecktarn“ ist an sich nur der Stil eines Tarnmusters beschrieben, der eben in erster Linie aus Flecken besteht. Inzwischen ist die allgemeine Bedeutung jedoch zum Synonym für unser Flecktarn geworden, wie wir es kennen. Der 3 Farben-Flecktarn hingegen wird umgangssprachlich als Tropentarn bezeichnet. Multitarn hat hier zum Glück für mehr Klarheit direkt diesen „Eigenname“ bekommen.
Nun aber mal zum Vergleich: Die Flecken der beiden Muster sind schon sehr ähnlich. Dennoch fallen bei genauer Betrachtung Unterschiede auf. Zum einen sind beim Multitarn einige der Elemente feiner und kleiner.

Flecktarn in Multicam-Farben?

Während Multicam auch Farbverläufe mit im Muster hat, die die Farbvarianz etwa erhöht, setzt man bei Multitarn wieder auf eine glare Abgrenzung der Farben. Schon bei der ersten Betrachtung des Fotos fällt auf, dass sich die Farben unterscheiden. Am großen ist der Unterschied wohl beim dunklen Braun und dem dunkleren Grün.

Hier noch die genauere Betrachtung. Die Farbverläufe, Unterschiede der Farben und auch die Unterschiede in der Form der Flecken werden hier noch mal deutlicher.

Wie sieht es mit Nachtsicht aus?

Während das Gefechtsfeld durch Thermalgeräte, Drohnen und andern Innovationen dominiert wird, ist das Thema der NIR-Signatur immer noch präsent. Konkret geht es hier um die Definition der Infrarot-Remissionswerte für die Farben. So wird ein Kontrast erreicht, der auch im NIR eine Tarnwirkung gewährleisten soll. Flecktarn ist hier durch seinen starken Kontrast leicht als IR-Tarnmuster zu erkennen. Die folgenden Schwarz-Weiß-Fotos sind mit einer umgebauten Spiegelreflexkamera gemacht, die nur Licht ab 720nm einfängt. So lässt sich mit Tageslicht die Infrarotsignatur der Uniform recht gut einschätzen.

Hier Multitarn im nahen Infrarot. Auch hier lässt sich ein schöner Kontrast im Muster erkennen.

Der direkte Vergleich von Multitarn zu Flecktarn macht deutlich, dass die Farmen von Multitarn hier in diesem gemischten NIR-Spektrum allgemein etwas dunkler als Flecktarn sind – jedoch auf das Schwarz verzichtet wurde, wodurch sich der Helligkeitsdurchschnitt vermutlich wieder angleicht.

Hier nun zwei Bekleidungsstücke in Multicam. Zu sehen ist, dass sich hier die Infrarotsignatur von unterschiedlichen Drucken unterscheiden kann. Allgemein wird in der „Multicam-Anforderung“ nicht so ein starker Kontrast im NIR definiert. Mehr hierzu habe ich im Blogartikel „NIR Signatur – Multicam und Flecktarn im Vergleich“ geschrieben. Links auf dem folgenden Foto ist eine UF Pro ULT Hose mit Stretchmaterial am Po und rechts ist eine UF Pro ACE Winter Jacket. Auf der Wiese wirkt das Shirt da schon etwas besser als die Hose.

Hier für eine bessere Einschätzbarkeit die beiden Uniformteile im visuellen Spektrum. Die Hose wurde schon einige Male gewaschen.

Hier nun links die gleiche Multicam Hose im direkten Vergleich zur Einsatzhose in Multitarn auf der rechten Seite.

Hier das ganze noch mal aus der Nähe, jedoch mit dem Multicam-Shirt. Wenn man hier jeweils den hellsten und dunkelsten Wert vergleicht, kommt man auf relativ ähnliche Werte. In der Gesamtheit wirkt Multitarn jedoch insgesamt feiner gemustert.

Fazit

Durch den Vergleich wird es klar: Multitarn ist nicht einfach nur unser Flecktarn in Multicam-Farben. Eine Ähnlichkeit lässt sich hier nicht abstreiten – aber wenn man bedenkt, dass Multicam nun seit geraumer Zeit international bewährt ist, dann wundert es nicht, dass ein Muster mit sehr ähnlichen Anforderungen dann auch ähnlich wird.

Einen Vergleich der Tarnwirkung im Gelände wird hier sicherlich auch noch mal interessant und ist sicherlich eine Idee für die Zukunft 😉

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