Unterschiedlich lange Expressen und Rundschlingen – Wozu sind sie da?

Dieser Artikel ist keine vollständige Anleitung zur richtigen Absicherung. Bitte besuche vor dem Klettern einen Kurs und übe die Abläufe im sicheren Umfeld vor. Denn beim Klettern können schon kleine Fehler schwerwiegende Konsequenzen haben!

Man nutzt beim Klettern im Fels und Eis unterschiedlich lange Expressen, um …

… Seilreibung zu verringern

Denn oft sind die Fixpunkte nicht genau in einer Linie übereinander. Besonders in Ecken, unter kleinen Dächern oder in Senken entsteht mit einer kurzen Ecke ein Winkel im Seilverlauf, der dadurch die Seilreibung erhöht. Entweder durch die größere Reibungsfläche am Karabiner oder zusätzlich noch durch entstehende Reibungspunkte am Fels. Seilreibung kann man aber auch durch die Halbseiltechnik verringern – Das ist dann aber noch mal ein anderes Thema.

… Belastung auf mobile Sicherungsmittel zu verringern

Wenn das Seil sich bewegt kann bei einer kürzeren Exe die Bewegung einfacher auf einen Fixpunkt übertragen werden. Und in einem Sturzfall wird das Seil unter dem letzen Fixpunkt gespannt. Alle Fixpunkte, die dann etwas weiter links und rechts der „geraden Linie zum Sicherer“ sind, werden dann auch seitlich belastet. Hier kann man dann beobachten, dass z.B. Klemmkeil herausgezogen werden. Durch lange Exen kann man diesen Effekt verringern oder gar verhindern. Wenn das Seil geradlinig und mit wenig Reibung verläuft, kann auch über eine weitere Strecke die Seildehnung den Sturz auffangen.

… ungünstige Belastung von Karabinern zu verhindern.

Manche Bohrhaken oder Fixpunkte sind so gelegen, dass man mit einer gewissen Länge von Exe den Karabiner an einer Kante hätte und so eine Knickbelastung am Karabiner hätte. Das kann die Bruchlast deutlich reduzieren oder den Karabiner beschädigen.

… das Seil leichter klippen zu können.

Besonders wenn man die Exen zuvor schon einhängt und die Route dann mit bereits gekippten Exen im Vorstieg klettert, können verlängerte Exen es dem Kletterer erleichtern diese zu klippen. Aber in der Regel sollten zumindest Bohrhaken so gesetzt sein, dass sie von einer natürlichen Ruheposition geklippt werden können.

Aber Achtung!

Verlängern kann vor allem kurz nach dem Einstieg die Gefahr für einen Bodensturz erhöhen! Ebenfalls ist besonders oberhalb von Stufen aufzupassen.

Was sind Expressen?

Wenn man sich fürs Klettern ausrüstet kauft man sich oft zuerst ein Expressen Set, ohne viel darüber nachzudenken: Expressen sind in der Regel ein Bandmaterial, das auf einer Seite einen Karabiner für den Fixpunkt (Bohrhaken oder ähnliches) und auf der anderen Seite einen Karabiner für das Seil hat. Der Vorsteiger nutzt sie beim Klettern dazu, das Seil mit den Fixpunkten im Fels zu verbinden. Wenn der Vorsteiger stürzt, dann verhindern die Expressen bei richtiger Anwendung, dass er auf den Boden fällt. Die Gesamtlänge der Expresse ist auch abhängig von der Größe der Karabiner. Ich beziehe hier meine cm-Angaben nur auf die Expressschlinge, die sich zwischen den Karabinern befindet.

Im weiteren Beitrag gehe ich nun auf verschiedene Längen ein und welche Vor-/Nachteile man mit ihnen hat. Wenn die Exen mal geklippt sind, sind fast alle Nachteile erstmal gegangen. Hauptsächlich beim Verstauen und Entnehmen vom Gurt machen unterschiedliche Exen verschiedene zusätzliche Handgriff erforderlich. Ebenfalls natürlich auch, wenn der Nachsteiger die Expresse dann wieder entnimmt.

10cm – 12cm Expresse

Super leicht, aber auch super kurz. In gerade verlaufenden Routen mit gebohrten Haken in der Regel kaum ein Problem. Kann aber selbst dort dann die Seilreibung erhöhen, wenn die Fixpunkte mal näher beisammen, aber nicht genau übereinander sind. Am Gurt ist sie schön zu tragen. Den sie hängt bei Weitem nicht so weit nach unten, wie die längeren Exen. 12cm sind beim Klettern schon deutlich angenehmer als 10cm. Daher nutze ich die 10cm nur noch seltenst. Diese kurze Länge kann in manchen Routen ggf. helfen, einen Bodensturz zu verhindern. Jedoch eher eine Sonderlänge, die etwas Gewicht einspart.

17cm – 18cm Expresse

Ich habe diese Länge als meine Standard-Länge. Sie passen von der Länge auch gut zu Klemmkeilen und den verkürzten 90cm und 60cm Schlingen. Die Länge verringert bei recht nah aufeinanderfolgenden Zwischensicherungen auch schon merklich die Seilreibung.

25cm – 35cm Expresse

Diese ist auch bei meiner Größe schon etwas nervig am Gurt. Einmal gefaltet ist sie angenehmer und lässt sich dennoch gut einhändig lösen und klippen. Die 25cm gehen evtl. gerade noch so. Aber bei den 35cm ist es tatsächlich ratsam, die zu kürzen. Die Seilreibung wird durch die Länge deutlich verringert. Ebenfalls kommt kaum etwas von der Seilbewegung am Fixpunkt an. Wenn eine Route unter einem Dach bzw. in einer Höhle an der Decke verläuft, erleichtern solche Exen auch deutlich das Klippen. Aber in der Regel ist das eine Sonderlänge, die man eher wenig bis gar nicht benötigt.

60cm Alpin-Expresse

Vielseitig nutzbare Expresse bestehend aus zwei Karabinern und einer 60cm Rundschlinge. In der Regel dreifach gefaltet am Gurt verstaut. Daher kann sie auch einfach als 20cm Expresse genutzt werden. Oder man faltet sie auf und hat 60cm. Der Nachsteiger kann zur Einfachheit auch einfach die Schlinge über die Schulter nehmen. Nutzbar ist sie auch für Sanduhren und kleinere Bäume oder Felszacken. Um Eisschrauben hinter einem Zapfen nach vorne zu verlängern kann sie aber ggf. zu kurz sein. Diese Länge ist eine Standardlänge fürs Alpin-, Eis- und Tradklettern.

Man kann auch zwei unsichere Fixpunkte verbinden, um einen weniger unsicheren Fixpunkt zu schaffen. Begrenzungsknoten können hier eine sinnvolle Ergänzung sein. Theoretisch kann man auch in Bohrhakenumgebung einen Sliding-X Standplatz bauen. Aber für einen Knoten ist bei 60cm kaum Platz.

90cm Alpin-Expresse

Besonders im Eis fand ich die 90cm teilweise noch mal praktischer als die 60cm. Wenn man mal eine Schraube hinter einem Eiszapfen platziert, kommt man mit der Exe auch noch gut nach vorne ans Eis. Problem bei 90cm Rundschlingen ist jedoch, dass man die nicht mehr so schön über die Schulter legen kann. Denn die sind einfach zu lang. Und einmal halbiert sind sie zu kurz und daher für mich nicht bequem über die Schulter zu tragen. Ansonsten kann man sie ebenfalls für die Absicherung an Bäumen, Felszacken und Sanduhren nutzen. Ich nehme diese Länge auch eher als Sonderlänge wahr. 1-2 Exen mit der Länge können ne gute Ergänzung sein. Als einzelne Rundschlinge am Gurt finde ich sie zu kurz.

Zusammengefaltet ist die Exe 30cm lang. Hängt daher am Gurt schon recht weit runter und kann bei kleineren Personen störend sein. Ich bin 1,92cm und ich finde die Länge noch vertretbar. Die mit dem gelben Rand ist eine 60cm Rundschlinge. Hinten ein roter Camelot als Größenreferenz.

Schlingen

Schlingen kann man theoretisch auch wie eine Expresse ausstatten. Aber hier hat man in der Regel nur einen Karabiner für das Seil dran und die Schlinge dann entweder verdreht am Gurt oder über der Schulter. Schlingen sind in vielen Routen eher als Ergänzung zu den Expressen zu sehen. Jedoch gibt es auch einige Routen, bei denen explizit darauf hingewiesen wird, dass man Köpfelschlingen oder Material für Sanduhren mitführen soll. Da sind die 90cm dann teils zu kurz.

120cm Rundschlinge

In der Regel werden die dann nicht mehr als Exe (mit zwei Schnappern) transportiert. Wäre jedoch möglich. Ich habe sie geviertelt und verdreht am Gurt verstaut. Diese Schlingen kann man super nutzen, wenn man eine Felsnase oder Sanduhr fädeln will. Oder wenn man mal einen mobilen Fixpunkt besonders weit verlängern will, dass man weniger Reibung hat. Hierzu kann man die Schlinge je nach Fixpunkt auch per Ankerstich am Fixpunkt einknoten oder man bringt einen zweiten Karabiner an. Der Nachsteiger kann die Rundschlinge gut einmal gefaltet über die Schulter ziehen. 120cm Schlingen sind eine Standardlänge für Eis-, Trad- und Alpinklettern. Auch wenn in der Topo keine gefordert wird, sind 1-2 Rundschlingen in dieser Länge eine super Ergänzung.

Einmal gefaltet kann man die 120cm Schlinge super über die Schulter hängen.

Mit 120cm kann man zudem auf einer Seite einen doppelten Bulin machen und hat so eine Standplatzschlinge mit weichem Auge, die man per Mastwurf in der Länge variieren kann. Das ist super leicht, jedoch muss bedacht werden, dass der Knoten in Dyneema das Material schwächt.

180cm Rundschlinge

Diese kann man natürlich auch wie die 120cm Schlingen verwenden. Über die Schulter ist sie eher unpraktisch, da man sie hierzu dritteln muss. Da ist es einfacher als Nachsteiger die Schlinge in eine Tasche zu packen oder direkt richtig zu kürzen und an den Gurt zu klippen (dreifach falten, dann verdrehen und nochmal falten). Zum Absichern kommt man mit der Schlinge um dickere Bäume und größere Felsen. Ebenfalls kann man sie schon gut für den Standplatzbau nutzen. Und das auch, wenn man mal 3 oder mehr Fixpunkte hat, die noch recht nah beisammen sind. Aber sicherlich ist das nicht die zeitsparendste Variante des Standplatzbaus. Hier handelt es sich um keine Standardlänge.

240cm Rundschlinge

Nochmal etwas länger als die 180cm Schlinge. Um sie platzsparend am Gurt zu verstauen, wird sie zwei mal gefaltet, dann verdreht und noch mal gefaltet. Die mit dem Grünen Rand ist die 240cm. Davor mit blauem Karabiner die 180cm und davor am orangefarbenen Karabiner die 120cm Rundschlinge. Und hier zum Vergleich vorne auch noch mal die 90cm Expresse. Die 240cm können mehrfach gefaltet auch wieder gut um die Schulter gelegt werden und eignen sich für große Köpfel und als Standplatzmaterial.

Mit 240cm hat man viel Material, das man dann auch doppelt und dreifach nehmen kann. Man kann mehrere Fixpunkte verbinden und dazu auch noch Bäume einbauen und hat ein super vielseitiges Werkzeug für den Standplatzbau. Die Länge lässt sich auch durch den Knoten variieren. So kann man einen Sackstich, Achter-, Neunerknoten oder andere machen. Wenn viel Material im Knoten ist, ist zudem der Radius nicht so eng und die Bruchlastreduzierung sollte daher geringer sein. Ebenfalls ist der Knoten dann einfacher zu öffnen.

Oder man knotet einen Quad-Anchor. Entweder doppelt oder dreifach gelegt. Hier im Foto der dreifach gelegte Quad Standplatz, der dann sechs Stränge in der Mitte hat. Wenn die Bohrhaken an den Standplätzen einer Route immer nahezu gleich angeordnet sind, dann ist dieser Standplatz super schnell auf und wieder abgebaut. Denn hier muss man nur die Knoten zur Ausrichtung etwas verschieben und danach für Auf- und Abbau nur die Karabiner lösen. Den doppelt gelegten Quad (mit 4 Strängen in der Mitte) kann man ebenfalls über die Schulter tragen.

Schlusswort

Natürlich haben alle Längen irgendwo eine Berechtigung. Und mit der nötigen Erfahrung kann man beurteilen, welche Exen man für welche Art der Kletterei und welche Route benötigt. Aber hier mal groß meine Meinung zusammengefasst:

  • Für den frischen Sportkletterer werden in der Regel kurze Exen reichen. Ich selber komme mit den 13-17cm super klar.
  • Wenn man Mehrseillängen klettert, kann eine Mischung sinnvoll sein, dass man manche Fixpunkte verlängern kann.
  • Wenn man sich selber absichert und mobile Sicherungsmitten nutzt, dann unbedingt auch lange/alpine Exen mitnehmen.
  • Wenn es ins Alpine geht, muss man manchmal etwas improvisieren und daher sind lange Exen und Bandschlingen sinnvoll.
  • Beim Eisklettern sind die alpinen Expressen teils nervig, vor allem wenn sie einfrieren. Jedoch ist die Verlängerung von Exen an Eisschrauben immer wieder mal ratsam, um den Seilverlauf zu optimieren.

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