Warum ich inzwischen Trekking-Stöcke nutze

Beim Bergwandern sieht man viele Zweibeiner mit Stöcken und viele schwören darauf. Ich selber hatte zwar im Freundeskreis schon lange Personen, die Stöcke auf Touren nutzen, aber dennoch habe ich lange gebraucht, um selber das Potenzial der „Gehhilfen für alte Menschen“ zu erkennen. Inzwischen habe ich die Vorurteile abgelegt und habe die Vorteile von Trekkingstöcken erkannt.

Vorgeschichte

Ich gehe nun schon seit über 13 Jahren wandern und seit bald 10 Jahren auch regelmäßig in die Berge. Über Trekkingstöcke habe ich mir lange nicht mal Gedanken gemacht. Denn ich brauche ja keinen Stock, um zu stehen oder zu gehen. Seit ca. 8 Jahren bin ich auch mit Schneeschuhen im Winter unterwegs. Aber auch da hatte ich das Gefühl, dass ich keine Stöcke brauche. Ich habe mal Stöcke ausgeliehen und hatte da das Gefühl, dass die koordinative Arbeit höher ist als der Nutzen. Nachdem ich dann ungewollt zwei Stöcke mit dem Fuß zerbrochen habe, kam mir der Eindruck, dass die Stöcke nicht robust genug sind, und ich nicht auf solch zerbrechliche Dinger vertrauen möchte. Daher habe ich dann auch erstmal keine Stöcke mehr ausprobiert und redete mir ein, dass ich viel schneller bin, wenn ich mit meinen Armen balanciere. Ebenfalls kann ich mir so das Gewicht und die Kosten für die Störe sparen. Dann dachte ich mir auch, dass wenn ich doch mal rutsche und den Stock belaste, dann möchte ich ja nicht, dass der Stock unter meinem Gewicht bricht und ich dann deshalb noch schlimmer stürze. Jetzt beim schreiben des Satzes muss ich aber schmunzeln. Natürlich ist ein Brechen des Stockes nicht ganz ausgeschlossen. Aber dafür muss man ihn schon besonders ungünstig oder besonders stark belasten. Mit etwas Übung kommt das nicht vor.
Taktisch gesehen rechtfertigte ich den Verzicht auf Stöcke damit, dass ja die Hände für die Waffe frei sein sollen. Daher wollte ich mir die Stöcke gar nicht erst angewöhnen.

Ski-Touren

Ich habe dann vor ca. 4 Jahren angefangen, auch bisschen mit Ski raus zu gehen. Und da war ganz klar, dass man mit Ski auch Skistöcke nutzt. Immerhin kann man sich so auch besser aufrecht halten und sich fortbewegen. Militärisch werden die Skistöcke teilweise für den Waffenanschlag mit eingebunden. So kann man gezielt auf weitere Entfernungen schießen. Denn der liegende Anschlag ist je nach Schnee ja nahezu unmöglich.

Zustiege zum Eisklettern

Beim Eisklettern steigt man oft durch unwegsames Gelände zu. Und das mal mit und mal ohne Schneeschuhe. Oft bin ich beim Eisklettern gemeinsam mit Tobi unterwegs, der schon viele Bergtouren und Hochtouren gemacht hat. Und er schwört auf Stöcke. Daher hatte er den Einfluss auf mich, dass ich beim Zusteigen meine Skistöcke deutlich öfter mitgenommen habe. Und so konnte ich mich an die Handhabung der Stöcke gewöhnen und habe langsam mehr und mehr Erfahrungen gesammelt.

Lesson learned

Inzwischen kann ich bestätigen, dass man mit den Stöcken viel von der Balance-Arbeit spart und sich daher effizienter fortbewegen kann. Wenn man durch Bachbetten läuft, kann man größere Schritte langsamer und gezielter machen, da man sich auch auf den Stöcken abstützt. Und auch beim bergauf Gehen, ist eine Entlastung zu spüren. Beim Nutzen der Stöcke sind die Hände nicht dauerhaft frei. Aber da die Stöcke mit Handschlaufen kommen, kann man auch recht einfach noch etwas snacken oder den Kompass benutzen, ohne die Stöcke abzulegen.

Ich habe mich für recht leichte faltbare Stöcke mit fester Länge entschieden. Diese kann man kompakt zusammenfalten und auch in kleineren Rucksäcken einfach verstauen.

Praktischer Nutzen von Trekkingstöcken

Neben den subjektiven Punkten gibt es auch andere praktische Nutzen für Wanderstöcke. Man kann sie nutzen, um die Schnee- oder Wassertiefe zu ertasten. Man kann Tarps oder Zelte mit dem Stöcken aufbauen. Und taktisch gesehen kann man, wie bei Skistöcken, die Stöcke auch als „Zweibein“ nutzen, um gezielt schießen zu können.

Abwägung

Natürlich nehme ich nicht immer bei jeder Unternehmung Stöcke mit. Und ob man das macht ist vermutlich eine recht individuelle Sache. Daher hier mal meine Pro und Contra Liste. Diese werde ich ggf. noch etwas ergänzen. Für Feedback deinerseits bin ich natürlich auch dankbar.

 Pro Stöcke

  • Einfacheres Balancieren in unwegsamen Gelände
  • Knie-Schonendes Absteigen möglich
  • Ertasten von Schnee- und Wassertiefe
  • Aufbau von Tarp auch ohne Bäume oder Steine möglich
  • Als Gewehrauflage nutzbar (taktisches Argument)

 Contra Stöcke

  • Gewicht der Stöcke
  • Ggf. verlernt man die Balance etwas, wenn man nur noch mit Stöcken unterwegs ist
  • Übungsaufwand (meiner Meinung nach schwaches Argument)
  • Je nach Beschaffenheit des Weges, können die Stöcke laut sein (taktisches Argument)
  • Hände nicht dauerhaft frei (Waffenhandhabung, taktisches Argument)

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